FOS-Schüler der Fachrichtung Technik der FOSBOS Neuburg besuchen das private Elektromuseum von Werner Benz
23.07.2026
Neuburg – Wie sah Elektrotechnik vor 100 Jahren aus? Welche Steckdosen, Messgeräte und Leitungen wurden früher verwendet? Antworten auf diese Fragen erhalten jedes Jahr Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule Neuburg bei einem besonderen Lernort: dem kleinen privaten Elektromuseum von Elektromeister Werner Benz in der Ostermannstraße.
Organisiert wird der Besuch von Werkstattausbilder Alfred Hugl. Jährlich besuchen fünf bis sechs Gruppen aus vier Klassen der Fachrichtung Technik die außergewöhnliche Sammlung. Für die Jugendlichen ist der Rundgang eine spannende Zeitreise durch die Geschichte der Elektrotechnik – und zugleich eine eindrucksvolle Ergänzung zum Unterricht.
Werner Benz, heute 80 Jahre alt, sammelt bereits seit seiner Kindheit Elektrowerkzeuge, Installationsmaterialien und historische Geräte. Die Leidenschaft wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt: Schon sein Vater Otto Benz, ebenfalls Elektriker, hatte zahlreiche Stücke aufbewahrt. Über die Jahrzehnte entstand daraus eine beachtliche Sammlung, die heute im Treppenhaus seines Wohnhauses, auf fünf Ebenen verteilt, liebevoll präsentiert wird.
Beim Blick in die dicht gefüllten Schaukästen eröffnet sich den Schülerinnen und Schülern die Entwicklung der Elektrotechnik über mehr als ein Jahrhundert. Zu sehen sind zahlreiche analoge Messgeräte, historische Elektrowerkzeuge, stoffisolierte Leitungen und Kabel sowie Steckdosen ohne Schutzleiter oder dreipolige Kraftstecker – Technik, die längst nicht mehr den heutigen Sicherheitsvorschriften entspricht, aber eindrucksvoll dokumentiert, wie sich elektrische Installationen im Laufe der Zeit verändert haben.
Mit großem Engagement und dem Fachwissen aus über 50 Jahren Berufserfahrung erklärt Werner Benz seinen jungen Gästen die Funktionsweise und den historischen Hintergrund der Exponate. Seine persönlichen Erfahrungen machen den Rundgang besonders lebendig. Nach seiner Lehre, die er 1960 bei der Firma Linzi begann, legte er 1969 die Meisterprüfung als Elektromeister ab. Über viele Jahre war er anschließend für die Stromversorgung des Bundeswehr-Flugplatzes in Neuburg verantwortlich.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich immer wieder erstaunt darüber, wie grundlegend sich Materialien, Sicherheitsstandards und Messtechnik im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Gerade im Zeitalter digitaler Technik wird deutlich, auf welchen Entwicklungen die moderne Elektrotechnik aufbaut.
Der Besuch bei Werner Benz ist deshalb längst zu einer festen Tradition der FOSBOS Neuburg geworden. Er verbindet technische Geschichte mit persönlicher Erfahrung und vermittelt den angehenden Technikern auf anschauliche Weise, wie sich ihr Berufsbild über Generationen hinweg entwickelt hat. Für viele Schülerinnen und Schüler bleibt der Rundgang durch das kleine Museum ein besonderes Erlebnis – und ein Blick zurück, der das Verständnis für die Technik von heute vertieft.